Judith von Loe und ihre Familie

Das ist das Wappen der adeligen Familie von (und zum) Loe. Über dem Helm 3 Krampen, die sich auf 3 miteinander verwandte Familien beziehen, nämlich Loe, Sickenbeck (Herten) und Crampe,  unten eine Crampe für die Loe-Familie in Marl.

Judith von Loe, eine Tochter, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lebte, ca. 1650 geboren, am 3.8.1723 gestorben und (evangelisch) begraben.

 Das Bild soll eine ca. 20-jährige mit einer Brünne (einem Körperschild) bekleidete Judith zeigen, mir (KM) scheint sie hier deutlich jünger als 20 zu sein...

(Dieses Bild einer gerüsteten Judith könnte die Entstehung der Legende der "Wilden   Hummel" begünstigt haben...)

 

 

Das Geschlecht (Loe) ist wahrscheinlich stammesverwandt mit den Crampe, die mit dem Ritter Bernhard Crampe im Jahre 1256 erstmals in Urkunden genannt werden. 1299 erscheinen Bernardus miles dictus Crampe de Sickenbeke (Ritter Bernard genannt Crampe von Haus Sickenbeck bei Marl) et Weszelus suus frater dictus Crampe (Wessel sein Bruder genannt Crampe) urkundlich. Sie führten das gleiche Wappen wie die Loe.

 

Es gehörten auch der bereits im Jahre 1180 genannte Walter von Loe und der 1200 erscheinende Gerhard von Loe zur Familie. Letzterer soll als Zeuge bei einem Vergleich des Herzogs Heinrich von Lothringen mit den Grafen von Geldern aufgetreten sein.

 

Die gesicherte Stammreihe beginnt mit dem von 1359 bis 1378 urkundlich erscheinenden Knappen Wessel vamme Loe. Stammsitz war das Haus Loe bei Marl, das Belia van den

Loe von ihrem Vater, dem Ritter Godecke erbte. Er erscheint 1275 urkundlich und war Kämmerer der Abtei Werden, verantwortlich für die Finanzen.

(Wikipedia, Stichwort Haus Loe)

 

Das Taufregister St.Georg mit der Erwähnung "Judith von Loe", 1720 als Patin ("patrini fuerunt") von Franz Christoph Ludwig Mauritius, Sohn der Christina Antonetta Joanna Frau von Wiedenbrück zum Loe. 

 

Ebenfalls anwesend als Pate war, direkt vor Judith von Loe erwähnt, der Freiherr von Hoete Herr von Westhausen (und Wischling), wo der Grabstein der Judith v. Loe errichtet (?) bzw. gefunden wurde: Das kann man als Indiz nehmen für den letzten Aufenthaltsort der Judith von und zum Loe.(Dort war ihre Tante Elbrecht verheiratet...)

Unten: Der Grabstein der Judith von Loe, gestorben am 3.8.1723 und evangelisch beerdigt. Der Stein zeigt 4 Wappen,  Gen(d)t ist nicht die bekannte Stadt in Belgien, sondern (wie auch Brempt, Padefort und Loe),  ein kleiner Ort in der Nähe des heutigen Nijmwegen in Holland und ein Familienname (also Adelshäuser) der Mutter bzw. der Eltern. (siehe auch unten, Erläuterungen zu den Wappen).

Vater Dietrich (Clemens) v. Loe hatte  Ida v. Gendt zu Oyen zu Horstmar geheiratet, eine Freifrau Gertrud von  Padevort (zu Horstmar, Burgmannen) war deren Mutter. (Diese hatte einen Freiherrn Walrav von Gendt zu Oyen geheiratet, siehe unten). Maria von Brempt hatte 1622  Johann von Loe geheiratet, dieser Großvater Judiths war in der Schlacht bei Lützen 1632 gefallen.

Ein Bruder Diederich (Linie Dorneburg) des Großvaters Johann übernimmt das Haus zwischen 1632 und 1643 (dieser Großonkel Judiths ist es, der 1668 ermordet wird), danach ab 1643 der Erbe Konrad (Sohn Johanns), Judiths Onkel. Als dieser 1654 kinderlos gestorben war, war der Vater seit 1655 der Erbe des Hauses Loe, er stirbt 1664.

Ida , Witwe v. Loe wird Regentin: Sie stirbt 1684.

Judith, (eigentlich) Erbtochter, wird übergangen von Schwester Wilhelmina, ab 1698 verheiratete von Wiedenbrück. So gibt es Erbstreit. Judith besetzt (vielleicht) 1705 die Burg Loe, der Anlass ist sicherlich der Besitzwechsel des Hauses an Wiedenbrück, dem Mann von Wilhelmina:

Judith bekommt (zunächst) 3000 Goldgulden, klagt beim Reichskammergericht in Wetzlar und gewinnt den Prozess. Als Erbanteilsentschädigung erhält sie 1715 noch 7000 Gulden von ihren Geschwistern, die selber 11000 erhalten hatten.

Eine anscheinend letzte Erwähnung (siehe oben) erscheint im Taufregister St.Georg. 1720, am 18.September, ist sie als Taufpatin der Zwillinge ihrer Nichte Christina Antonietta Joanna von Wiedenbrück zum Loe aufgeführt. 

 

Die mit einem Schweden durchgebrannte "Wilde Hummel" ist eine Legende:

Es gab zu dieser Zeit keine Schweden mehr im Vest Recklinghausen.

Die letzten zwei schwedischen Kompanien im Vest RE nach 1648 mussten verpflegt werden und  waren bereits 1650, also ungefähr zum Zeitpunkt ihrer Geburt, nach Bezahlung der verlangten "Entschädigung" von 10 000 Reichsthalern abgezogen (u.a. VZ 38/1931).

Eine Beteiligung am Mord an Diederich 1668 (wie gesagt, der Großonkel) ist ebenfalls sehr unwahrscheinlich, die Tat bzw. der Verdacht wäre bestimmt bei der Verhandlung beim Reichskammergericht zur Sprache gekommen. Judith ist (bisher) nach 1668 "verschwunden".

Ebenfalls eine Legende ist das Leben bzw. der Tod als Einsiedler in der Eifel...Die Quelle dazu ist ein sog. Rheinischer Antiquarius, eine Sammlung von "merkwürdigen Geschichten" , die sich auf "den Rhein und die dort lebenden Orte und Adelsgeschlechter" beziehen, der Herausgeber war Johann C. Stramberg Mitte des 19.Jahrhunderts, alles ohne Quellenangaben. Strambergs Werk soll eine Neuedition sein von

"Dielhelm, Johann Hermann: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius, ..die Wichtigsten und angenehmsten geograph-, histor- und politischen Merckwürdigkeiten des gantzen Rhein-Strohms, von einem eifrigen Nachforscher In Historischen Dingen, Frankfurt am Mayn,1744.

(wiki-de.genealogy.net/Rheinische_Antiquarius). 

 

Zu diesem Zeitpunkt  (1744) war Judith von Loe seit 21 Jahren tot:

Der unten zu sehende Grabstein Judiths weist auf ein Todesdatum am 3.8.1723 hin,  (Mitglied (?) der Willibrordi-Kirchengemeinde in Wesel, so jedenfalls das Marler Jahrbuch 1987 war sie zu diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr. Allerdings gibt es ein weiteres, neues Datum, also eine weitere zeitliche Einordnung: )

Diese Gemeinde war nicht katholisch. sondern reformiert, also evangelisch. Wesel war genauso wie Westhusen/Wischling ab 1609 bzw. endgültig 1666 Brandenburgisch, der Landesherr war evangelisch-calvinistisch. (Laut Auskunft des Stadtarchivars Wesel, Dr.Roelen, befindet sich der Grabstein nicht in der Gemeinde...Die Wappen weisen auf die Familien der Eltern und Großeltern  hin.)

Neu ist die Teilnahme Judiths am Abendmahl dieser Gemeinde nicht, jedoch das Datum ihrer Anwesenheit ist bisher nach meinem Wissen noch nirgendwo erwähnt:

3 Jahre nach ihrem Verschwinden, also 1671 war sie in Wesel. 

(Stadtarchiv Wesel und Archiv der Kirchengemeinde)

Ausschnitt mit der Erwähnung "Juffer Judith von Loo" des Abendmahlregisters Willibrordi in Wesel vom 29.3.1671


Gefunden wurde der Grabstein an/bei der Kapelle von Haus Wischlingen/Westhusen im heutigen Revierpark Wischlingen in Dortmund (-Huckarde). Dort, so meine Vermutung, lebte sie bei ihrer Verwandtschaft. Ihre Tante Elbrecht hatte dorthin, nach Westhusen (Hoete, siehe oben), geheiratet, die Kapelle war eine evangelische und die Verwandtschaft ebenso. (Im Vest RE galt ab 1614 ein Ansiedlungsverbot des Kurfürsten Ferdinand für "Unkatholische").

Bodo Stratmann schreibt mir dazu:

".. am 17.03.2010 wurde von mir für das Foto in der Nähe der ev. Kapelle die Platte freigelegt.... Im katholischen Horstmar (Fürstbistum Münster, sie hatte in und um Horstmar Besitz ererbt und dort Verwandte) und im Vest Recklinghausen war die Rekatholisierung auf dem Höhepunkt angekommen. Daher fühlte sie sich in der preußischen Grafschaft Mark bei ihren reformierten Verwandten vermutlich besser aufgehoben und dort war sie sehr gut vernetzt..."

(http://wiki-de.genealogy.net/Haus_Loe, bearbeitet von Bodo Stratmann. Vgl. auch:

Marler Jahrbuch 1987,S. 46,47.) (KM)

 

Zu den Wappen bzw. zur Herkunft:

Ida (Yda) van Gendt zu Oyen war die Mutter der Judith von Loe.

Die Eltern von Ida v. Gendt waren Walrav von Gendt und Gertrud von Padevort.

Von Haus Brempt (int Veen) wiederum kam Maria von Brempt, die 1622 Judiths Großvater Johann geheiratet hatte.

Karte: Gendt (oben) und Haus Gent (unten, es gibt beide Schreibweisen). Gent liegt in der Nähe von Oijen, (s.u.), damals Gelderland, am Rheinarm "Waal"...

Das Haus (Kastell) Oyen, niederländisch Oijen:

Oyen liegt heute in Nord-Brabant (NL) an der Maas, zur damaligen Zeit Gelderland, in der Nähe von Gendt, welches an dem Rheinarm Waal liegt. Nijmwegen liegt auch dort in der Nähe.

Haus Brempt:  (heute Tönisvorst/Viersen.) Die Familie "von Brembt" (weit verzweigt) wurde nach dem langjähriger Hauptsitz des angeheirateten Familiensitzes "Vehn" oder "Veen" genannt. Das Haus "Veen" lag bei Alpen (Nähe Xanten) im Herzogtum Kleve. 


Das Bild unten rechts zeigt den Grabstein der Tante von Judith, Elbrecht von Loe, die den Herrn von Westhusen, Ludwig von Hoete und Crengeldanz, geheiratet hatte. (Der Grabstein links, 1777: Ludolf Dietrich von Hoete zum Cre(n)geldantz u. Westhusen ). Elbricht (so liest man auf ihrem Stein) von Loe starb 1715. Auch sie wurde evangelisch beerdigt. Auf beiden Steinen kann man die Wappen von Brempt und Loe erkennen. (Fotos: Bodo Stratmann)

 

Haus Wischlingen: Erster evangelischer Gottesdienst in Westfalen.

An das ehemalige Rittergut Wischlingen erinnert heute in erster Linie die romantische Kapelle neben dem Haus Wischlingen. Auf ihren Fundamenten aus dem Mittelalter steht die historische Kapelle umgeben vom Grün des Revierparkes Wischlingen. Mit weißem Mauerwerk und schlichten hohen Fenstern ist sie der einzige sakrale Fachwerkbau in Dortmund. An dieser Stelle wurde der erste evangelische Gottesdienst auf westfälischem Boden gefeiert. Ehemalige Privatkapelle des Gutes Wischlingen, das 1903 wegen Baufälligkeit

abgebrochen wurde. (Quelle: Informationstafel am Objekt)

von: wiki-de.genealogy.net/Haus_Loe_%28Marl-Drewer%29 (Bodo Stratmann)