Judith von Loe und ihre Familie

Das ist das Wappen der adeligen Familie von (und zum) Loe. Über dem Helm 3 Krampen, die sich auf 3 miteinander verwandte Familien beziehen, nämlich Loe, Sickenbeck (Sienbeck, Herten) und Crampe,  unten eine Crampe für die Loe-Familie in Marl.

Haus Loe:

Das Geschlecht (Loe) ist wahrscheinlich stammesverwandt mit den Crampe, die mit dem Ritter Bernhard Crampe im Jahre 1256 erstmals in Urkunden genannt werden. 1299 erscheinen Bernardus miles dictus Crampe de Sickenbeke (Ritter Bernard genannt Crampe von Haus Sickenbeck bei Herten, auch Sienbeck genannt) et Weszelus suus frater dictus Crampe (Wessel sein Bruder genannt Crampe) urkundlich. Sie führten das gleiche Wappen wie die Loe.

 

Es gehörten auch der bereits im Jahre 1180 genannte Walter von Loe und der 1200 erscheinende Gerhard von Loe zur Familie. Letzterer soll als Zeuge bei einem Vergleich des Herzogs Heinrich von Lothringen mit den Grafen von Geldern aufgetreten sein.

 

Die gesicherte Stammreihe beginnt mit dem von 1359 bis 1378 urkundlich erscheinenden Knappen Wessel vamme Loe. Stammsitz war das Haus Loe bei Marl, das Belia van den

Loe von ihrem Vater, dem Ritter Godecke erbte. Er erscheint 1275 urkundlich und war Kämmerer der Abtei Werden, verantwortlich für die Finanzen.

(de.wikipedia.org/wiki/Loë_(Adelsgeschlecht), 

Schloss Wissen/Weeze),  

 


Zu den Wappen bzw. zur Herkunft:

Ida (Yda) van Gendt zu Oyen war die Mutter der Judith von Loe.

Die Eltern von Ida v. Gendt, also die Großeltern von Judith,  waren Walrav von Gendt (1580-1644) und Gertrud von Padevort (1590-1680), Ida lebte von 1635 bis 1684

Danach hätte sie Judith mit 15 (1650) oder 17 (1652) Jahren geboren und gestorben wäre sie mit 49...(?)

(nach: www.genealogieonline.nl/en/karens-family-tree/I161820.php, gw.geneanet.org/thoschi?n=von+padevort&oc=&p=gertrud)

 

27.03.1679, Ida geb. Freiin von Gendt, Witwe von Loe, Frau zum Lohe, Horstmar und Ovelgünne, Vormund ihrer Kinder, hat bei Henrich Bracht, Vorsteher in Westerholt, 850 Rtlr. aufgenommen

Zur Bezahlung ihrer Schuld hat die Witwe dem Bracht das zum Gut Uhlenbrock gehörige Holz übertragen, wobei jedoch noch eine Restschuld von 400 Rtlr. blieb.

 Die Witwe hat dann noch 50 Rtlr. bei Bracht geliehen, die sie zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit in Kranenburg verwandt hat.

(zur Bezahlung) … tritt die Witwe dem Bracht drei Kotten im Dorf Marl ab, die zu Haus Lohe gehören…

(Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen)

Zu Kranenburg:

(Arnold Fey jr., ook gespeld als Arnoldus Fey of Feij, (Oirschot (Nederland), rond 1633 - Kranenburg (district Kleef, Duitsland), +1679) was een Nederlandse arts… Fey is vooral bekend geworden door zijn operaties van borstkanker...Dit specialisme werd al in de medische school van Oirschot beoefend. Feys bekendste patiënte met borstkanker was Anna van Oostenrijk, achterkleindochter van keizer Karel V en moeder van koning Lodewijk XIV van Frankrijk... (https://nl.wikipedia.org/wiki/Arnold_Fey)

 

Exkurs Kranenburg

Der Niederländer Arnold Fey, geboren 1633, besuchte die Schule für Wundärzte in seinem Geburtsort Oirschot. Er entwickelte sich zu einem sehr erfolgreichen Wundarzt und führte schon im 17. Jh. Brustkrebsoperationen durch. Prominente Personen, wie die Urenkelin Kaiser Karl V, Mutter des französischen Königs Ludwig XIV, ließen sich von ihm behandeln. Als der Krieg 1672 ausbrach, zog Arnold Fey nach Antwerpen und ließ sich 1674 in Kranenburg nieder. Dort praktizierte er und heilte den Brandenburger Kurfürst Friedrich Wilhelm. Letzterer schenkte ihm 1675 dafür das Städtchen und Amt Kranenburg auf Lebenslang. So wurde Arnold Fey Herr von Kranenburg. Er starb dort 1679.

(Eelco Hekster aus Kranenburg, 31. August 2013, in: Lokalkompass Klever Wochenblatt)

 

Wahrscheinlich hatte Ida von Gent also Brustkrebs. Der erwähnte Arzt Arnold Fey in Kranenburg war deswegen bekannt, weil er den Krebs, also wahrscheinlich die Brust, operativ entfernte. Immerhin hat Ida von Gent, Freifrau von Loe, noch 5 Jahre, bis 1684, gelebt. Für diese Operation musste die Frau von Loe Schulden machen, 50 Reichstaler, was eine enorme Summe war:

Zur Einordnung: ein Kellner der Horneburg bekam einen Jahressold von 200 Reichstalern, eine Köchin 10 Taler, ein Diener 24 Taler, ein Soldat 6 Taler. Der „Kornschreiber“ von Horneburg bekam für das Einsammeln 30 Taler und noch einmal 40 Taler „Kostgeld“.

Ganz in der Nähe von Kranenburg gab es das Schloss Zelem im Besitz eines Herrn von Wylich, also eines nahen Verwandten:

 

Das ist noch ein Beispiel für Verbindungen zum Niederrhein, und, was wichtiger ist: zum reformierten bzw. calvinistischen Glauben: seit 1564 waren die Herren von Wylich evangelisch:

Die andere Großmutter der Judith hieß Maria von Brempt (+1665), deren Eltern waren Johann Friedr. von Brempt und Margarete von Wylich (um 1600), die Mutter dieser Margarete war eine Elberecht von Loe (um 1585), der Vater hieß Johann v. Wylich. Der Vater dieser Elbricht hieß Wessel von Loe, der eine gewisse Gertrud von Wylich zur Frau hatte (um 1543).

Zu den Namen: Der Brauch, Namen von Eltern und Großeltern weiter zu geben, ist natürlich uralt und war auch bei den damaligen Familien in Gebrauch: so hieß eine Schwester des Vaters von Ida v. Gendt: Judith, die Mutter dieses Walrav v. Gent hieß Wilhelmina (v. Wachtendonk)

 

Ergänzung  zu Wilhelmina, der Schwester Judiths:

Da Ida nach 1664 (Tod des Mannes) selbstverständlich keine Kinder mehr bekommen hat, muss Wilhelmina ja wohl (nach Judith, 1650 oder 1652) spätestens 1664 geboren sein. Wenn sie erst 1698 Christoph v. Wydenbrück heiratet, wäre sie also 34 Jahre alt gewesen, was sehr unwahrscheinlich ist… Auch dies spricht für eine sehr viel frühere Heirat mit Wydenbrück, von dem es in der Aktennotiz des RKG heißt, er sei 1698 gestorben.

Von Haus Brempt (int Veen, d.h. "im Moor", Gebiet in der Nähe von Rees bzw. Alpen am Niederrhein) wiederum kam Maria von Brempt, die 1622 Judiths Großvater Johann geheiratet hatte.

Karte: Gendt (oben) und Haus Gent (unten, es gibt beide Schreibweisen). Gent liegt in der Nähe von Oijen, (s.u.), damals Gelderland, am Rheinarm "Waal"...

Das Haus (Kastell) Oyen, niederländisch Oijen:

Oyen liegt heute in Nord-Brabant (NL) an der Maas, zur damaligen Zeit Gelderland, in der Nähe von Gendt, welches an dem Rheinarm Waal liegt. Nijmwegen liegt auch dort in der Nähe.

Haus Brempt:  (heute Tönisvorst/Viersen.) Die Familie "von Brembt" (weit verzweigt) wurde nach dem langjähriger Hauptsitz des angeheirateten Familiensitzes "Vehn" oder "Veen" genannt. Das Haus "Veen" lag bei Alpen (Nähe Xanten) im Herzogtum Kleve. 


Das Bild unten rechts zeigt den Grabstein der Tante von Judith, Elbrecht von Loe, die den Herrn von Westhusen, Ludwig von Hoete und Crengeldanz, geheiratet hatte. (Der Grabstein links, 1777: Ludolf Dietrich von Hoete zum Cre(n)geldantz u. Westhusen ). Elbricht (so liest man auf ihrem Stein) von Loe starb 1715. Auch sie wurde evangelisch beerdigt. Auf beiden Steinen kann man die Wappen von Brempt und Loe erkennen. (Fotos: Bodo Stratmann)

 

Haus Wischlingen: Erster evangelischer Gottesdienst in Westfalen.

An das ehemalige Rittergut Wischlingen erinnert heute in erster Linie die romantische Kapelle neben dem Haus Wischlingen. Auf ihren Fundamenten aus dem Mittelalter steht die historische Kapelle umgeben vom Grün des Revierparkes Wischlingen. Mit weißem Mauerwerk und schlichten hohen Fenstern ist sie der einzige sakrale Fachwerkbau in Dortmund. An dieser Stelle wurde der erste evangelische Gottesdienst auf westfälischem Boden gefeiert. Ehemalige Privatkapelle des Gutes Wischlingen, das 1903 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. (Quelle: Informationstafel am Objekt)

von: wiki-de.genealogy.net/Haus_Loe_%28Marl-Drewer%29 (Bodo Stratmann)


Zur Familie und Judith v. Loe verwendete Literatur: (In Arbeit)

Theodor Esch: Das Haus Loe und seine früheren Besitzer, in: Vest.Zeitschrift, Bd. 20, S.41 ff., 1910

Helmut Madynski, Marl-Frühgeschichte bis 1914, 1993

Ernst Tode, Die Brüder Wessel und Walter von Loe, VZ 33, S. 6 ff., 1926

Dietrich Kastner, Regesten 1574-1798 (Loe-)Archiv Schloss Wissen. Inventare nichtstaatlicher Archive 45, Bonn 2008

Lacour, Josef, Regesten aus dem Kopialbuch des Hauses Vondern, (S.6 ff.)

J.A.M. van de Loo,  Eine Betrachtung der  Crampe-Loe-Hypothese.  Vestisches Jahrbuch 1955, S.84 ff.

Joost van der Loo, Die Herren Stecke, (Schriftenreihe des Kreises Kleve 5a u. 5b), 1985

Schäfer, Dr., Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Marl, VZ 27, S. 5 ff. 1918

Ferdinand Küper, Geschichte der Pfarre Marl,  Bottrop 1934, S. 12 ff.

Paul Krajewski, Das frühe Dorf und Kirchspiel Marl..., Marler Jahrbuch 1978, S. 212 ff.

Hans Eberhard Maschinski, In Marl auf dem Lande, Marler Jahrbuch 1984, S. 64 ff.

Heinrich Schäpers, Verfall und Ende des Ritterguts Loe, Vestisches Jahrbuch 1955, S. 108 ff.

Ders., Zur älteren Geschichte der Kirche und Pfarrei Marl, S.109 ff.