die Verbreitung der sage

 

Ein eklatantes Beispiel:

Eine Miss Nora Purtscher-Wydenbruck schreibt über Judith von Loe 1934:

In ihrer Fassung lebt Judith während des 30jährigen Krieges, der Vater ist ein fanatischer Katholik, sie wird die Geliebte eines Schweden, sie wird "Captain" bei Gustav Adolf, sie landet in einem türkischen Harem und bei Zigeunern, kämpft mit Prinz Rupert gegen Cromwell im englischen Bürgerkrieg, ist wieder verliebt in einen "jungen englischen Gentleman" und zuletzt lebt sie in den "großen westfälischen Eichenwäldern als Eremit".

Ich weiß nichts Näheres über diese "Miss Nora Wydenbruck"

(vgl: Nora Wydenbruck – Wikipedia),

aber dass diese lokale Sage (oder besser Lügengeschichte) Eingang in die "internationale Literatur" gefunden hat, ist schon bemerkenswert. Zu erwähnen bleibt noch, dass die ursprüngliche  "Sage" nicht als eine solche entstanden ist und auch nicht so gemeint war.

Aufgeschrieben wurde sie als eine "wahre Geschichte und familiäre Vergangenheit" der Wydenbrück-Krane Familie...ca. 160 Jahre nach den angeblichen Ereignissen.

(Ein Überblick über die lokale Verbreitung bis in die jüngste Vergangenheit hinein folgt).

 

Hier kommt eine Übersicht:

Judith "Hummel" im Laufe der Zeit:

 

1863  „Rheinischer Antiquarius“, (nicht 1810), Kapitel "Krane (Friedrich von Krane)“, ohne Zeichnung des Schlosses,

1864  Kreis RE Wochenblatt, Vorläufer der Recklinghäuser Zeitung, wörtliche Wiedergabe, „nach Strambergs Antiquarius“: „Judith Freiin von Loe“

1910  Theodor Esch, Vestische Zeitschrift, Bd. 20, S.51 ff., (Haus Loe), wörtliche Wiedergabe, „Judith von Loe, eine Heldin…nicht unwahrscheinlich…“, keine Erwähnung von „Krane“ aber „Antiquarius“ als Quelle.

1923 B. Schmitz, „Ballade“ im Vestischen Kalender

1924  Nachdruck Stramberg in der „Vestischen Heimat“

1926  Eugen Vetter im Vestischen Kalender, „Anekdote“…S.37 ff.

1928 Bernd Schmitz in: „Die Heimat“, Bd.4, Westfälischer Heimatbund, „Das verschwundene Haus Loe und die Wilde Hummel…“, keine Quelle

1934  Ferdinand Küper, „Pfarre Marl“, erwähnt Judith, die Sage aber nur am Rande, (Hinweis: „zeitweilige evangelische Herrschaft auf Loe…), Judith und Eltern waren evangelisch, der Bruder Dietrich anscheinend nicht (mehr)…

1934  Nora Purtscher–Wydenbruck veröffentlicht einen Roman über Judith von Loe, in Sidney (Australien) erscheint eine Rezension. Judith hat mit Gustav Adolf, Oliver Cromwell u.a. zu tun und stirbt als Eremit …

1936  „Singspiel Judith von Loe“ von F. Küper mit der Sage als Grundlage… (im Zusammenhang mit der „Stadtwerdung“ Marls)

1949? A. Drissen in „Alt-Schlägel und Eisen“ über Burg Loe und Judith.

1958  Heinz Erwig im Vest.Kalender über Judith.

1968  W. Krupka im Vest. Kalender „Gottes Land“.

1972  F. Keienburg im Vest.Kalender über das „seltsame Schicksal“ der Judith.

1973  WAZ (14.9.) „bewegtes Leben“ der Judith…“eine Moritat...“.

1980  W. Höfener in der WAZ, mehrere Folgen: Die Wilde Judith…

1982  Marler Zeitung am 10.7. über die „Wilde Hummel“

1986? Stadtarchiv Marl, Akte 86/282, V.Totzauer u. F.Voigt, “Judith macht einen Jux“

1994 A. Kollmann, Sagen aus dem alten Vest und dem Kreis RE, S.93-96

2018 J. Nierhoff, Sagen aus dem alten Vest RE.

(KM)