Die Folgen des Ersten Weltkrieges

(in Arbeit)

Friedrich Ebert begrüßt in Berlin Soldaten der deutschen Armee.

10.12.1918: "Ich grüße euch, die ihr unbesiegt vom Schlachtfeld heimkehrt"...


Erster Weltkrieg:Kriegsverluste Marl 1914 – 1918:

Erstellt zwischen 1946 und 1948 von der Amtsverwaltung Marl nach Befragung der einzelnen Kirchengemeinden und der Sterbebücher des Standesamtes Marl I, Aktenzeichen ZS/31.

Kirchliche Sterbebücher:

                                        Katholisch                                  evangelisch

 

Hüls                                           115                                            61

 

Sinsen                                        27                                              2

 

Hamm-Bossendorf                      21                                              ----

 

Polsum und Bertlich                    48                                              16

 

Altendorf-Ulfkotte                        20                                              ----

zusammen                                 231                                            79

 

Gesamt                                                                                       310

 

Sterbebücher Marl I: Brassert,

Drewer, Alt-Marl, Lippe:                                                               238 Gefallene

 

Kriegsverluste gesamt                                                              548 (578)

Anmerkungen (KM):

In dieser Aufstellung sind keine jüdischen Gefallenen verzeichnet. Hinzu kommen einige Unklarheiten in der Rechnung: Die Gefallenen aus Marl I reichen nämlich von 1919 (10), 1920 (2), 1922 (2) 1923 (2) bis 1925 (1). Vielleicht sind diese Todesfälle auf Kriegsverletzungen zurückgeführt worden.

Handschriftlich verbessert wurde die erste Zahl 548 in 578. Das liegt an der nicht in der Tabelle aufgeführten Angabe des Kriegervereins Lenkerbeck von 30 Gefallenen.

(Hüls und Sinsen gehörten erst ab 1926 zu Marl)


Ein wenig zur Vorgeschichte:

oben: Zukunftskarte 1914, Heinrich Class (Alldeutscher Verband),"Ziele des deutschen Volkes im gegenwärtigen Krieges..", Bundesarchiv, ZSg1-2/3 (12), gefunden in: 100 Jahre deutscher Rassismus, (Katalog zur Ausstellung, Köln 1988, S.38)

 

Zur Verdeutlichung der Ziele dieses Verbandes noch ein Zitat (1901):

"Die nordischen Küstenländer der Deutschen See, die heute Ostsee heißt, gehören uns.

Podolien und Bessarabien und die Krim, sie sind deutsche Siedlungsgebiete. Der alldeutsche Gedanke wird sie uns auch politisch wiedergeben..." 

 

Podolien war ein Gebiet in Polen, Litauen und der Ukraine, nach der Aufteilung Polens unter Österreich, Preußen und dem Russischen Kaiserreich gehörte ein Teil zu Österreich, der andere zu Russland.

Bessarabien lag zwischen Russland, Rumänien. Heute Republik Moldau.

 

 

 

Der Kriegsrat: Berlin, 8. Dezember 1912

(https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsrat_vom_8._Dezember_1912, bearbeitet)

 

 

Lordkanzler Haldane warnte in London den deutschen Botschafter Lichnowsky, Großbritannien werde bei einem Einmarsch Österreich-Ungarns in Serbien kaum der „stille Zuschauer“ bleiben können, man könne zudem keinesfalls eine neuerliche Niederwerfung Frankreichs dulden, falls Deutschland im Zusammenhang mit einem russisch-österreichischen Konflikt Frankreich angreifen würde.

 

 

Als der Kaiser den Bericht zur Kenntnis nahm, war er außer sich:

„England wird aus Neid und Haß gegen Deutschland unbedingt Frankreich u[nd] Rußland gegen uns beistehen.

Der eventuelle Existenzkampf, den die Germanen in Europa (Österreich, Deutschland)

gegen die von Romanen (Galliern) unterstützten Slaven (Rußland) zu fechten haben werden,

findet die Angelsachsen auf der Seite der Slaven.

Grund: Neidhammelei, Angst unseres zu Großwerdens!“

 

 

 Unter dem Eindruck des Berichts aus London berief der Kaiser für Sonntagmorgen, den 8. Dezember, um 11 Uhr eine später von Bethmann Hollweg als „Kriegsrat“ bezeichnete Besprechung ein. Teilnehmer waren Wilhelm II., Graf von Moltke (Chef des Generalstabes), August von Heeringen (Chef des Admiralstabes), Alfred von Tirpitz (Staatssekretär im Reichsmarineamt) sowie Georg Alexander von Müller (Chef des Marinekabinettes).

 

 

 

Von Müller fasste noch am selben Abend in seinem Tagebuch den Verlauf des Gesprächs zusammen: Der Kaiser habe mitgeteilt, dass „England, wenn wir Frankreich angriffen, unbedingt Frankreich beispringen würde, denn England könne nicht dulden, daß die balance of power in Europa gestört werde“.

 

Der Kaiser:„.. Österreich müsse den auswärtigen Slaven (den Serben) gegenüber kraftvoll auftreten, sonst verliere es die Macht über die Slaven der österr.-ungarischen. Monarchie. 

Wenn Rußland die Serben stütze, was es offenbar tue, wäre der Krieg auch für uns unvermeidlich.

Wir könnten aber hoffen, Bulgarien u. Rumänien u. auch Albanien, auch vielleicht die Türkei auf unserer Seite zu haben. […]

Treten diese Mächte auf Österreichs Seite, dann seien wir soweit frei, um den Krieg mit ganzer Wucht gegen Frankreich zu führen.

Die Flotte müsse sich natürlich auf den Krieg gegen England einrichten...

Also gleich Unterseebootskrieg gegen englische Truppentransporte in der Schelde bzw. bei Dünkirchen, Minenkrieg in Themse.“

 

 

(Tirpitz wurde durch Wilhelm II. zu schleunigem Bau zusätzlicher U-Boote aufgefordert.) 

 

 

 

General von Moltke äußerte: „Ich halte einen Krieg für unvermeidbar u. je eher je besser. Wir sollten aber durch die Presse besser die Volkstümlichkeit eines Krieges gegen Rußland im Sinne der Kaiserl(ichen) Ausführungen vorbereiten.“

 

 

 

Wilhelm II. stimmte zu und forderte Tirpitz aufgrund seiner bekanntermaßen guten Pressekontakte auf, mit seinen „Pressemitteln nach dieser Richtung hin zu wirken“.

 

 

 

Tirpitz machte darauf aufmerksam,

daß die Marine gern das Hinausschieben des großen Kampfes um 1½ Jahre sehen würde…Unsere Chancen sind zur Zeit sehr ungünstig.

Aber Sommer 1914, wenn der [Nordostsee-] Kanal und [der U-Boothafen] Helgoland fertig seien, läge die Sache anders“.

 

Moltke widersprach,

„die Marine würde auch dann nicht fertig sein u. die Armee käme in immer ungünstigere Lage, denn die Gegner rüsteten stärker als wir, die wir mit dem Gelde sehr gebunden seien.“

 

 

Müller kritisierte die Haltung Moltkes als inkonsequent:

„Krieg je eher je besser, aber er zieht nicht die Konsequenz daraus, welche wäre, Rußland oder Frankreich oder beide vor ein Ultimatum zu stellen, das den Krieg mit dem Recht auf unserer Seite entfesselte.“

 

 

Anmerkungen zu Vorbereitung des Krieges:

Volkstümlichkeit:

Der Mord an Franz Ferdinand und Frau Sophie,, 28.6.1914: Sommer 1914!

 

Zeitpunkt:

1½ Jahre, Nord-Ostsee-Kanal ist fertiggestellt

 

Ultimatum:

23.7. Österreich stellt ein absichtlich unannehmbar gemachtes Ultimatum an Serbien nach Blankovollmacht Deutschlands.

(Serbien äußert Vorbehalte: Polizei und Geheimdienst Österreichs in Serbien)

 

28.7. Kriegserklärung Österreichs an Serbien

 

 (29.7. Russland :Teilmobilmachung zur Unterstützung Serbiens)

 

 

31.7. Deutschland stellt Russland Ultimatum:

  12 Stunden für Rücknahme Mobilmachung (unmöglich innerhalb von 12 Stunden)

 

1.8. Deutschland Kriegserklärung an Russland,

 

 

 

Deutsches Ultimatum an Frankreich:

(neutral bleiben und zwei Festungsstädte, Toul und Verdun den Deutschen übergeben.)

 

3.8. Kriegserklärung an Frankreich

 

 (Schlieffen Plan:

durch Belgien und Luxemburg (beide neutral!) marschieren, Frankreich angreifen, 42 Tage für Sieg, danach Russland)

 

 

 

 

Zur deutschen Verantwortung 1914: 

 

(John Röhl in: Süddeutsche Zeitung, 11.11. 2014, gekürzt und bearbeitet, KM)

 

 

 

In seinem berüchtigten, 1961 von Fritz Fischer veröffentlichten Septemberprogramm - mit der Niederschrift hatte der Kanzler bereits Mitte August 1914 begonnen - nannte Bethmann Hollweg als allgemeines Ziel des Krieges die "Sicherung des Deutschen Reiches nach West und Ost auf erdenkliche Zeit".

 

Zu diesem Zweck müsse "Frankreich so geschwächt werden, dass es als Großmacht nicht neu entstehen kann, Russland von der deutschen Grenze nach Möglichkeit abgedrängt und seine Herrschaft über die nichtrussischen Vasallenvölker gebrochen werden".

 

Frankreich dürfe keine Armee mehr aufstellen und müsse seine Erzgebiete, einen Küstenstrich "von Dünkirchen nach Boulogne" sowie seine Kolonien an Deutschland abtreten. In der neuen Staatenordnung werde Belgien zu einem "Vasallenstaat" des Deutschen Reiches "herabsinken", der gesamte Kontinent in einem Wirtschaftsverband unter der Vorherrschaft Deutschlands zusammengefasst werden.

 

Als Pendant käme ein zusammenhängendes mittelafrikanisches Kolonialreich unter Einschluss des Kongo hinzu.

 

 

Kurz vor seinem Tod im Jahre 1916 brüstete sich Moltke in einem eigenhändigen Brief an seinen Kollegen Feldmarschall Colmar von der Goltz damit, den Weltkrieg selber "vorbereitet und eingeleitet" zu haben. Derartige Belege für den Kriegswillen der deutschen Militärs noch vor Sarajevo ließen sich beliebig fortsetzen. Der vom Kaiser am 3./4. Juli 1914 flüchtig hingekritzelte Randvermerk, mit den Serben müsse "aufgeräumt" werden, und zwar "jetzt oder nie", wirkte als Signal für die Umsetzung des von Moltke revidierten Schlieffenplans. Am folgenden Tag stellte Wilhelm II. den Österreichern einen Blankoscheck für den Fall aus, dass ihr Angriff auf Serbien in einen Kontinentalkrieg münden würde, was in der Berliner Wilhelmstraße als zu 90 Prozent wahrscheinlich eingeschätzt wurde.

 

Im Neuen Palais empfing der Kaiser den Reichskanzler sowie die Spitzen von Heer und Marine, fragte sie nacheinander, ob tatsächlich alles kriegsbereit sei, und ordnete die geheime Mobilmachung der Flotte an.

 

 

Der Kerngedanke des plumpen von Bethmann und Moltke ausgeheckten Komplotts war, wie der Chef des kaiserlichen Marinekabinetts Admiral von Müller in seinem Tagebuch festhielt, "Russland sich ins Unrecht setzen lassen, dann aber Krieg nicht scheuen".

 

Berlin müsse den Anschein erwecken, als wäre Russland der Angreifer in einem auf dem Balkan entstehenden Krieg

 

Um die Großmächte in den Glauben einzulullen, dass das Attentat von Sarajevo keine weiteren Auswirkungen zeitigen würde und somit Vermittlungsvorschläge vorerst zu vermeiden, fuhren die deutschen Regierungs-, Armee- und Marinepersönlichkeiten in den Urlaub, Staatssekretär von Jagow sogar auf Hochzeitsreise.

 

Nordlandfahrt, Wilhelm II, Tirpitz und Moltke

 

Das österreichische Ultimatum an Serbien war bewusst als unannehmbar gestaltet worden. Die Regierungen von Russland, Frankreich, Großbritannien und Italien fühlten sich gänzlich überrumpelt und reagierten allesamt ungläubig und wütend auf die Behauptung Berlins, keine Ahnung von den Absichten Wiens gehabt zu haben.

 

Die Entscheidungsträger in Berlin warteten nun wie auf Kohlen darauf, dass sich Russland mit seiner Mobilisierung ins Unrecht setzen würde.

 

Sie nahmen sich vor, am 31. Juli um 12 Uhr mittags selber den unwiderruflichen Schritt zum Krieg zu vollziehen und brachen in Jubel aus, als 20 Minuten vor Ablauf der selbstgesetzten Frist die Nachricht von der russischen Generalmobilmachung in Berlin eintraf.

 

"Überall strahlende Gesichter - Händeschütteln auf den Gängen; man gratuliert sich, dass man über den Graben ist", notierte der bayerische Militärbevollmächtigte nach einem Besuch im preußischen Kriegsministerium.

 

 

In einem Ultimatum wurde Frankreich aufgefordert, sich innerhalb von 18 Stunden (für neutral) zu erklären. "Nun, wir möchten die Brüder doch auch dabei haben", rief Generalmajor Wild von Hohenborn aus. Die Generäle waren begeistert von der Standhaftigkeit des Kaisers: "Seine Haltung und Sprache sind würdig eines Deutschen Kaisers! würdig eines preußischen Königs", jubelte Erich von Falkenhayn.

 

. "Stimmung glänzend", stellte Admiral von Müller begeistert fest. "Die Regierung hat eine glückliche Hand gehabt, uns als die Angegriffenen hinzustellen." Bei der Unterzeichnung der Mobilmachungsorder am 1. August 1914 hatten der Kaiser und Falkenhayn Tränen der Rührung in den Augen.