Shoah Auschwitz

das ist die Ermordung von mindestens 1,5 Millionen MENSCHEN in Oswiecim.

6 Beispiele aus Marl: Arthur und Hans Abrahamsohn und Peisach, Rosa, Pia und Heinz Korn...


"Reichsführer SS Heinrich Himmler über "...ein RUHMESBLATT der deutschen Geschichte..." und die "Arbeit" der SS...:

Die Baracken von Auschwitz und "Ein Grab in den Lüften" (Celan)

Ohne die Reichsbahn wäre die Deportation in die Vernichtung nicht möglich gewesen. In einem Waggon transportierten die Züge ca. 100 Häftlinge. Pro Transport wurden 1000 Häftlinge deportiert. Die Fahrt nach Auschwitz dauerte ca. 3 Tage.

Arthur Abrahamsohn:

(Marl, Loestraße 26 bis November 1938)

Die Karteikarte mit vollständigen Angaben zur Person und zur Familie, eingetragen in das Judenregister von Belgien: St.Gilles, Brüssel, am 13.12.1940, (nach dem Einmarsch der Deutschen) in Belgien seit 13.6.1939,(vor dem Krieg), Rue de Lavoir 43, Bruxelles. Er soll zwischen dem 11.8. und 21.8. deportiert werden.

(Sein Todesdatum ist wahrscheinlich der 13.8.1942 , siehe unten.)

Die Kaserne "Dossin" in Mechelen(Malines) in Belgien.

Von hier aus wurde Arthur Abrahamsohn deportiert nach Auschwitz, ebenso die Familie Korn.

Die Familie Neugarten, Siegfried und Emmi  und Tochter Grete konnten sich in Schaerbeck verstecken, Tochter Grete wurde verhaftet und war bereits für den Transport nach Auschwitz vorgemerkt, als sie überraschend auf Grund einer "Intervention“ der  (Reichswehr-) Militärregierund frei gelassen wurde. Die Familie überlebte den Schrecken.

Artur Abrahamsohn aus Recklinghausen, deportiert aus Malines(Mechelen) mit dem Transport II als Nr. 77. (Karteikarte)

Das Datum über der Karte (Liste) ist nicht das Datum des Transportes. Der II.Transport aus dem Lager Malines/Belgien startete am 11.8.42 und erreichte Auschwitz am 13.8.1942. 

 

"999 Juden sind eingetroffen, davon 407 Männer und445 Frauen, 79 Jungen und 68 Mädchen.

Nach der Selektion sind 290 Männer und 228 Frauen... eingewiesen worden (sie erhielten Registrierungsnummern). Die übrigen 481 wurden in den Gaskammern getötet.."

 

Unter den Ermordeten war auch Arthur Abrahamsohn, sein Name (mit Nummer) ist nicht bei den Registrierten...

 

(nach Czech, Danuta, Kalendarium der Ereignisse...Auschwitz-Birkenau. Reinbek 1989, S.272)


Hans Abrahamsohn:

(Marl, Loestraße 26 bis November 1938)

 

Der ältere Sohn Hans hat versucht über Frankreich nach Spanien zu fliehen, aber er wird in Südfrankreich gefangen und interniert...Erst in Gurs, dann nach Rivesalt (auch ein Lager in Südfrankreich) und zuletzt von Drancy- Le Bourget im Norden von Paris aus nach Auschwitz

 

(Übersetzung des Textes oben):

"Abrahamsohn, Hans, geboren in Iserlohn am 27.5.1922, Sohn des Arthur Israel und der Gottschalk, Else, wohnhaft in Recklinghausen, Paulusstraße 6, ist gefunden worden im "centre du Hal"(?) im April 1940. Meine Verwaltung besitzt keine Erkenntnisse über den Grund (Einzelheiten) seiner Festsetzung.

Abrahamsohn, Hans, ... ,erscheint auf einer Namensliste der Belgier, interniert im Lager Gurs, datiert vom 10.2. 1941. Quelle: Microfilm der Originale des Archivs des Lagers Gurs. ..."

 

Von Gurs aus wurde er anscheinend zum Lager Rivesalt gebracht, beide Lager lagen in Südfrankreich.(Siehe unten, Transportliste). Von dort endgültig nach Le Bourget-Drancy in der Nähe von Paris gebracht und von dort August 1942 nach Auschwitz deportiert...

Unten die dringende Benachrichtigung über den Transport. Empfänger waren:

SS-Obersturmbannführer (Adolf) Eichmann sowie der Inspekteur der KZs in (Berlin-)Oranienburg, (KZ Sachsenhausen), Richard Glücks

und das KZ Auschwitz.

Oben: Nummer 1 auf der Deportationsliste ist Hans Abrahamsohn, Abfahrt am 26.8.1942

Ankunft in Auschwitz am 28.8.1942

(Czech, Danuta, Kalendarium... S.288):

Unten: Die "Rampe" Bahnhof Auschwitz: Selektion. (www.auschwitz.org)

Selektion heißt Auswahl: Wer darf eine Zeit lang weiter leben...?

Ob Hans Abrahamsohn bei dieser ersten Selektion in Kosel oder bei Ankunft in Auschwitz ermordet wurde ist nicht feststellbar. Die bei Ankunft Ermordeten wurden nicht registriert...



Familie Korn,

Uhrmacher auf der Bonifatiusstraße 9, damals Straße der SA.

 

Wenig war bisher bekannt über die Familie Pejsach Korn. In Brassert wurde der Uhrmacher (oder sein Geschäft) auf der Bonifatiusstraße 9, damals Straße der SA, anscheinend auch Blitzblau genannt.(1) In der Nacht vom 9. auf den 10.11.38 brannte auch sein Geschäft; die Überlegung, er könnte in eine Familie Blitzblau eingeheiratet haben, erwies sich allerdings als falsch. Die Suche nach Menschen mit diesem Namen in Marl und Umgebung blieb bis jetzt völlig ohne Ergebnis. Blitzblau ist nach wie vor ein Rätsel.

 

Die Erklärung von Rolf Abrahamsohn, Korn sei eine Namensänderung, weil Blitzblau allzu deutlich jüdisch klinge, ist so gut wie unmöglich, besonders nach 1933. Zusammen mit Archivaren der Umgebung tendiere ich inzwischen zu der Annahme, dass einfach das Geschäft so hieß.

 

Über die Familie Korn aber konnte ich mit Hilfe des Archivs in Malines(Mechelen/ Belgien) (2) folgendes herausfinden (siehe die mir zur Verfügung gestellten Karteikarten unten. Belgien musste nach dem Einmarsch der Deutschen 1940 eine Liste der jüdischen Bevölkerung erstellen):

 

Peijsach Korn wurde am 17.10.1897 in Kolo/ Polen, (Wartheland)geboren. Sein Vater Szmuel kam aus Kutno. Peijsach war verheiratet mit einer Rosa Janowsky (nicht Blitzblau), geboren am 24.5. 1900 in Lodz. Wann, wie und warum sie nach Marl kamen, ist bisher nicht bekannt, jedenfalls nach 1931, denn:

 Eine Tochter Pia Irma wurde am 10.10.31 in Lodz geboren, der Sohn Heinz am 12.2.1936 in Dorsten, möglicherweise im dortigen Krankenhaus: in Marl gab es kein Hospital.

 

Am 16.11. 1938 ist die Familie in Belgien nachweisbar, und zwar in Antwerpen/Schaerbeck, Rue Collignon 30. Die Korns sind also direkt nach der Pogromnacht (9.11. auf 10.11.) in Marl geflohen…Die Hoffnung, dass die Familie den Nazis entkommen sein könnte, keine Spur war bisher zu finden gewesen, war falsch. Mit den zusätzlichen Informationen ergab eine neue Recherche beim Bundesarchiv Koblenz (3):

 

Am 31.10. 1942 wurden Pejsach und Rosa Korn, Pia Irma und Heinz von Malines aus nach Auschwitz deportiert. 

Sie erhielten die Nummern 925-928. Das waren die Transporte 16 und 17 mit insgesamt 1696 Juden, darunter 72 Jungen und 65 Mädchen. Bei Ankunft in Auschwitz am 3.11. 1942 erhielten702 Männer und 75 Frauen Nummern, d.h. sie wurden registriert und durften eine Zeit lang weiterleben. Alle 919 anderen, auch alle Kinder, wurden in den Gaskammern getötet (4). Unter den Ermordeten war auch Familie Korn, denn sie wurden nicht registriert. Pia war 11 Jahre alt, Heinz war 6, Rosa war 42 und ihr Mann wurde 45 Jahre alt.

 

Im Adressbuch Amt Marl 1957 findet man auf der Bonifatiusstr. 9 zwei Geschäfte: Ein Lebensmittelgeschäft Albring, Clemens und ein Textilgeschäft Erwig, Josef, später war hier eine Fahrschule...


[1] Vgl. Interview Paul Meister, in: "Sowas passiert …"(KM), unten S.88 : auch Entnazifizierungsakte, NW 1039-L 2278, unten S. 69f., (Lohschelder)

[2] Danke an Laurence Schram, Malines, Kazerne Dossin. Sie hat die Karteikarte P.Korn gefunden

[3] Onlineversion der Namensliste im Gedenkbuch BA Koblenz

[4]Czech, Danuta, Kalendarium Auschwitz, S.332

in der Mitte Pia Irma Korn mit ihren Mitschülerinnen an der Bonifatiusschule, einer katholischen Volksschule , Bonifatiusstraße 20.

Unten auf dem Klassenfoto: Mittlere Reihe, die 6.von links.

 Rechts:

In der Mitte die Besitzerin des Klassenfotos, Luise F.

Das Foto entstand (natürlich) vor dem 9.November 1938. Die Lehrerin links oben hieß Frau Hoffmann.

Pia Korn war 6 oder 7 Jahre alt.

Als sie 11 war, wurde sie getötet...