Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in marl



I.  Große  Lager:

 

1.     Sinsen / Sammelbahnhof AV-Schmielenfeldstraße/Gleisbogen, Durchgangs- u. Sammellager: Verteiler bei Ankunft und für Deportation - Lage und Zahl der Baracken nicht eindeutig feststellbar, wahr­scheinlich ca. 1000 Menschen aller Nationen. Nach dem Krieg auf dem Gelände: Marler Möbelfabrik. Reste nicht eindeutig feststellbar (Fa. Droge?).

 

2.     Römerlager / Lager am Silvertbach / Römerstraße 146: insgesamt drei Lager: Kriegsgefangene (Sowjetunion) zivile Zwangsarbeiter aus Polen / Ukraine etc. Mindestens für 2,000 Kriegsgefangene in Lagern I und II (Bachufer,Rest: ein Wachhaus), 20.2.45: im Lager III (Halde) 692 Männer, 134 Frauen, 24 Kinder, Zwangsarbeiter für AV. Nach dem Krieg teilweise abgerissen, teilweise Wohnraum für Flüchtlinge, Neubergleute, Junggesellen.- heute: Halde gegenüber Merkelheider Weg; Am Bachufer; An der Halde.

 

3.     Lager Breddenkampstraße / bis 45 Bertholdstraße - am Erzschacht, AV, Ca. 1.000 sowjetische     Kriegsgefangene / Zwangsarbeiter,am 20.2.1945, Notiz AV: 998 männliche Zwagsarbeiter. Nach dem Krieg deutsche Kriegsgefangene, Obdachlose, Junggesellen, Neubergleute. Reste nicht mehr vorhanden, Straßenverlauf durch Neubebauung verändert. Direkt gegenüber: CWH-Gärtnerei (2 Baracken) ca. 200 Fremdarbeiter - heute: Wohngebiet Westfalenstraße, In den Kämpen

 

 Im Gleisbogen oben rechts das Deportations- (Sammel-)lager in Sinsen,

links die Römerlager an der Halde und am Bachufer/Bachacker Weg


Steinbaracken Römerlager an der Halde, zivile Zwangsarbeiter (oben). Eine dieser Baracken , ca. 1957, vor dem Abriss.

Unten: Ein Rekonstruktion der 3 "Römerlager" mit Erläuterungen, von Franz Brinkmöller 1987. bisher nicht veröffentlicht.


Unten: Ansichten des Lagers am Erzschacht, zu "Auguste Victoria", Breddenkampstraße (früher Bertholdstraße)

Oben: Das Lager am Erzschacht/AV 1949, rechts in der Ecke Baracken des ehemaligen Lagers, Breddenkampstraße.

unten: Das Lager 1962...


4.     Lager Hagenstraße - (neben dem alten Friedhof)

Mindestens 2.000 Menschen, überwiegend zivile Zwangs­arbeiter (Männer u. Frauen) aus ganz Europa. Zeitweise OT- Lager (1944 Josefa Lazuga u.a) - Arbeit für CWH. Das Lager wurde nach 1945 abgerissen, bereits 1950 nicht mehr auf der Karte zu finden. Keine Reste (Zeugen / Zeitungen / Foto / Kartei,) Heute:  Hans-Böckler-Kolleg-Schule.

 

5.     Lager Kampstraße / damalige Hans-Schemm-Straße

Mindestens 1.000 (belegt) sowjetische Kriegsgefangene. Arbeit auf der Zeche Brassert. Lage im Dreieck Zechenbahn / Kampstraße / Beisen - Bewachung durch Wehrmacht / Oberfeldwebel Boeff. 2-3 Tage vor Kriegsende in Marl(30./31.3.45) nach Hamm/Westf. abgerückt, danach Belegung mit Polen u, a.; dann deutsche Kriegsgefangene, Junggesellen, Bergarbeiter.

 Heute: Prosperstraße - Verlauf und Bebauung ist ähnlich.

 

Unten: Belegschaft Zeche Brassert, aus: 

U. Brack (Hg): Herrschaft und Verfolgung. Marl im Nationalsozialismus. Essen 1986. S.293

6.    Südlager / Lager Lipper Weg (damals Josef-Kleine-Straße) Gemeinschaftslager/ Gemeinschaftsunterkunft Süd - gegenüber dem "Feierabendhaus" der CWH. Mindestens 1.000 Menschen, meistens zivile Zwangsarbeite aus ganz Europa - Arbeit für CWH (mit angeschlossenem Krankenrevier} Nach dem Krieg: Junggesellen, "Gemeinschaftsunterkunft Süd". Heute: Gärtnerei / Abgabe-Stelle für Mitarbeiter/ Parkplätze.

 

7.     Nordlager / Lager an der Nordstraße

Mindestens 2.000 Menschen, Kriegsgefangene - zivile Zwangsarbeiter, auch deutsche Dienstverpflichtete, Arbeit für die CWH. Integriert war ein Straflager für "Arbeitsunwillige" (Arbeits­zuchtlager / Ärbeitserziehungslager). Lage zwischen Nordstraße und Kanal / Oelder Brücke. Heute Gelände innerhalb des Werkes - (Reste (Baracken?).

 Nach dem Krieg: "Gemeinschaftsunterkunft Nord", vor allem für Junggesellen.

 

8.      Lager Tönsholt in Altendorf-Ulfkotte / Kirchhellen. (Altendorf-Ulfkotte gehörte damals zu Marl) Lage: Tönsholt - Nähe der Eisenbahn.

Ca. 1.000 Menschen, überwiegend Kriegsgefangene, aber auch zivle Zwangsarbeiter.

Arbeit für Krupp / Essen, Landwirtschaft, Bauindustrie, CWH. Nach dem Krieg: Obdachlose u. a., heute: Wohnsiedlung.


Oben: Das Nordlager der damaligen CWH am Kanal und an der Oelder Brücke. In diesem Lager gab es zusätzlich ein "Arbeitserziehungslager", geführt von der Gestapo.

Das Südlager der CWH, Lipper Weg, damals Josef-Kleine-Straße

Links: Das Südlager 1952, rechts das Feierabendhaus, vom Südtor aus gesehen.


II.    Kleine  Lager

Zu den genannten 8 großen Lagern kommt eine Vielzahl von kleinen Lagern, deren Lage, Belegungszahl etc. oft nicht mehr feststellbar ist. Es folgt eine Auflistung der bisher bekannten Lager:

 

1.     Harkort-Schule / Lipper Weg (Josef-Kleine-Str. - Ecke Kampstr.) - CWH Belegungszahl unbekannt"- zivile Zwangsarbeiter.

2.     Lager Silvertschule - CWH / (Bachacker Weg)

3.     Lager Canisius-Schule (alte Canisius-Schule / Bahnhofstr.) ca 30 Franzosen

4.      Pestalozzi-Schule, (Carl-Duisberg-Str.11), AV

5.     Rappaportstr, - Höhe Blumensiedlung (damals Dietrich-Eckart-Str.) - CWH 2-3 Baracken (?) - zivile Zwangsarbeiter

 6.     Lager Dorstener Str. (2/23?} - Kontakt mit CWH, auch: Landwirtschaft / Holzverarbeitung  

 7.     Lager Gersdorffstraße / Ziegeleistr. - AV  Baracke für Kranke / Krankenrevier Belegungszahl unbekannt/wechselnd

8.     Bonifatiusstr. 22 / (24?) (Hinweis vom 24.2.45, Bergbau / Brassert,  Belegungszahl unbekannt

9.     Lager Bahnhofstraße / Sinsen-Lenkerbeck-nicht eindeutig identifizierbar. Wahrscheinlich Lueg. Belegungszahl unbekannt. (vgl. 3 u. 16)

10.   Haardgroßlager Sinsen - bisher noch nicht identifiziert

11.   Lager Sinsen-Kumen - bisher noch nicht identifiziert

12.   Sinsen, Lager Martin (Baufirma) noch nicht identifiziert

13.   Obersinsener Str. (124?) - belegt von "Russen", Landwirtschaft

14.   Haus Ridder / Halterner Str. 75/77, zivile Zwangsarbeiter, Ukraine

15.   Halterner Str. 18 (Halterner 16 = Gaststätte Ridder)

16.   Haus Lueg / Bahnhofstr. 7 , ca. 30 französische Kriegsgefangene (vgl. 9 u. 23)

17. Fehlings-Sägewerk / Bahnhof Sinsen, 1 Baracke /französische u. jugoslawische Kriegsgefangene.

18.   Westfalitfabrik - Lager noch nicht eindeutig belegt.(Haard-Großlager?)

19.   Lager Hamm-Bossendorf - CWH

20.   Lager Overrather Hof / Halterner Stausee - CWH

ehemalige Gaststätte - im Zuge der Erweiterung des Stausees "unter Wasser."

21.   Föcker-Holtkamp, Schreinerei, Altendorf-Ulfkotte - französische. Kriegsgefangene

22.   Maas Timpert / Altendorf-Ulfkotte (französische Kriegsgefangene) 

23.   Engels (Gaststätte i. Altendorf-Ulfkotte)

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Insgesamt lebten und arbeiteten in Marl, damals eine Stadt mit ca. 40.000 Ein­wohnern, mindestens 10.000 Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter (wenn man allein die Belegungszahlen der großen Lager addiert), wahrscheinlich eher 15.000 - hinzugerechnet werden muss die große Zahl von Sterbefällen (belegbar ca. 500), sowie die in der Landwirtschaft, also bei Bauern als Hilfskräfte Arbeitenden. Ebenfalls nicht zu vergessen:

Die "Ausgetauschten", d.h.: Kranke und zum Arbeiten zu Schwache wurden gegen "frische Arbeitsfähige" gewechselt. Die Kranken wurden ins "Stammlager" zurück geschickt, hier zum Beispiel "Stuckenbrock" bei Bielefeld. Dort starben ca.55000 sowjetische Kriegsgefangene...

 

(siehe auch unten: Nikolai Udodenko...: "Innerhalb von 2 Jahren wurde das Kontingent des Lagers (2000 Mann) dreimal  ausgewechselt..."

 

Aufgrund der vielen Kranken und Verletzten unter den Zwangsarbeitern wurde im unten abgebildeten Barackenkrankenhaus (ab 1944 bis 1957) ein eigene Abteilung für sie eingerichtet.

Im Hintergrund sieht man die im Bau befindliche neue Paracelsus-Klinik,

(die Marler sagen Paracelsius oder auch nur Para, das zur Erklärung für Neuhinzugezogene).


Diese Liste war bisher noch nicht veröffentlicht. Sie beruht auf Zeugenaussagen, Kranken - und Sterbeakten, Kartenmaterial, Mikrofiches des Ordnungsamtes, Personalakten, Zeitungsmeldungen, Entnazifizierungsakten, dem"AV-Buch"(1997 Auguste Victoria, S.112 ff.) Fotografien und Luftbildern Marl sowie den folgenden Archiven: HSTA. Düsseldorf, Stadtarchiv Marl, CWH Werksarchiv, Archiv Zeitungshaus Bauer...    

(Klaus Mohr 1986/1991/2017)


Unten: Ausschnitt aus einem Brief eines damaligen AV- Bergmannes aus der Ukraine.

Nikolai Udodenko an die Kumpel der Zeche Auguste Victoria

(hier aus U. Brack, Herrschaft und Verfolgung, S.329)


Das Sammellager/Durchgangslager Im Gleisbogen/Sinsen ist nicht auf der Karte zu sehen, nur Erzschacht (Breddenkamp), Römerlager 1-3, Nordlager und Südlager sowie Hagenstraße und Kampstraße...


Ein Belegungsplan des Kommunalfriedhofs der  Stadt Marl 1950. Farbig markiert sind die Gräber der in Marl umgekommenen Ausländer: Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.

 

Auf den Fotos der Grabsteine werden insgesamt 217 Kriegsgefangene und 278 (zivile) Zwangsarbeiter gezählt. also 495 Umgekommene. Auf dem Friedhofsplan Marl werden handschriftlich 509 Gräber gezählt.

 

Unten: Die anderen Friedhöfe : "katholisch Marl" mit 14 Italienern, "katholisch Marl-Hüls"

1 Pole, 2 Kroaten, "katholisch Marl- Sinsen" 1 Belgier und 1 Pole, "kommunal Polsum" 4 Polen

1 Holländer und 1 unbekannter Ausländer.

 

Ob diese Gräber in der Gesamtzahl mitgezählt sind, ist unklar. Jedenfalls weisen beide Zahlen Unstimmigkeiten auf: Entweder sind auf dem Gesamtplan Kriegsgefangene mitgezählt, dann stimmt entweder 495 oder 509, sind sie nicht mitgezählt, dann stimmt die Zahl auf den Grabsteinen auf keinen Fall.


„Ein Russe stand am Zaun“

Sonjas Erinnerungen ,  Lager Hans-Schemm-Straße, (Kampstraße, Brassert) 1943-45,Teil 1

 

…In Marl hatte sich vieles verändert. In Bayern gab es nie Fliegeralarm, doch in Marl gehörten sie zum Alltag. Bei jedem Alarm lief ich mit meiner Mutter und meiner Schwester zum Bunker. Die beiden hatten sehr viel Angst und liefen deshalb den kürzesten Weg. Damals wohnten wir „Im Beisen“ und der kürzeste Weg, das hieß vorbei am Russenlager (Kampstraße, KM).

 

An einem Morgen rannte ich nicht mit den Anderen, sondern trödelte noch etwas herum. Als ich dann am Russenlager vorbei lief, hörte ich jemanden rufen. Ein Russe stand am Zaun und bat mich in gebrochenem Deutsch um Hilfe. Er warf mir einen Stein über den Zaun, um den er ein Stück Papier gewickelt hatte.

 

In diesem Moment kam ein deutscher Soldat um die Ecke, und ich steckte den Zettel schnell in meine Jackentasche. Erst im Bunker holte ich ihn ganz vorsichtig hervor und las ihn. Es war streng verboten, mit Feinden Kontakt aufzunehmen und darum musste ich dabei sehr vorsichtig sein. Niemand durfte davon etwas wissen. Ich hatte nun ein ganz großes Geheimnis. Auf dem Zettel stand: “Bitte besorg mir Tabletten, egal welche, denn meine Kameraden sind krank und müssen sonst sterben.“

 

Tabletten, Medikamente, wie sollte ich so etwas besorgen? Ich brauchte einen Verbündeten. Meine Mutter und meine Schwester konnte ich nicht ins Vertrauen ziehen, aber meinen Vater. Er würde mich verstehen und mir helfen. Mein Vater war sofort bereit, mir zu helfen, doch er ermahnte mich, sehr vorsichtig zu sein und sollte man mich schnappen, so dürfte ich ihn nie verraten.

 

Mein Vater sammelte alle Tabletten zusammen, die er finden konnte, und dann warteten wir auf den nächsten Alarm. Dann machte ich mich auf den Weg und schmiss die Tabletten über den Zaun. Dieser Vorgang wiederholte sich noch einige Male.

 

Eines Tages warf mir der Russe wieder einen um einen Stein gewickelten Zettel über den Zaun. Darauf stand, dass er aus Sibirien stamme, Arzt sei und Wassili hieße. Von dem Tag an versuchte ich noch mehr Tabletten zu sammeln.

 

Eines Tages bemerkte eine Nachbarin mein Tun und so zog ich sie mit ins Vertrauen. Zuerst war sie sehr erschrocken, doch dann erklärte sie sich bereit, mir zu helfen. Doch ihre Tochter, meine Freundin, sollte von all dem nichts erfahren. Von nun an warf ich nicht nur Tabletten über den Zaun, sondern auch mal gekochte Pellkartoffeln und Brot.

 

Wenn die Sachen gut im Russenlager angekommen waren, erscholl von der anderen Seite des Zaunes das Wolgalied. Dann wurde ich sehr stolz und sah, dass es richtig und gut war, was ich tat.

 

Einmal schrieb mir Wassili, dass viele seiner Kameraden an Durchfall erkrankt seien. Was nun? Mein Vater half mir dabei, Holzkohle herzustellen und sie mühselig mit einem Messer zu feinem Pulver zu reiben. Ein lautes Wolgalied war mein schönster Dank.

Dann kam der Tag, an dem meine Hilfe nötiger war als jemals zuvor. Es war Fliegeralarm und meine Mutter und meine Schwester waren schon im Bunker als die ersten Bomben fielen. Mein Vater und ich sahen nicht, wohin die Bomben fielen, aber wir hörten die schrecklichen Schreie der Verwundeten. Wir liefen den Schreien nach, konnten aber nicht viel erkennen, da alles voller Staub war. Als wir am Russenlager ankamen, sahen wir, dass der größte Teil der Bomben auf das Lager gefallen waren. Der Zaun war zerstört und so konnten wir ins Lager gelangen. Überall lagen Tote und Verwundete und überall dieses Schreien. (Juni 1943,KM).

 

Mein Vater rief mir zu, Bettlaken und Wäsche von zu Hause zu holen, und ich rannte wie um mein Leben. Wir haben alles zerrissen, und zusammen mit Wassili, der auf einmal bei uns war, haben wir versucht, die Verwundeten zu verbinden. Und obwohl ich noch sehr klein war, wuchs ich über mich hinaus und half, so gut ich konnte.

 

Doch unser Leiden war noch nicht zu Ende. In der Nacht kam die Gestapo in die Wohnung meiner Eltern und wollte mich holen. Es war bekannt geworden, dass ich Erste Hilfe am Feind geleistet hatte. Meine Mutter holte mich aus dem Bett. Als die Männer von der Gestapo mich sahen, waren sie erstaunt, ein kleines Mädchen zu sehen und zogen wieder ab.

 

Bald darauf erfuhren wir, wer uns verraten hatte. Einer unsere nächsten Nachbarn war ein überzeugter Nazi…

 

Doch all dies hielt mich nicht davon ab, weiter zu machen. Ich musste nun noch vorsichtiger und noch listiger sein. Bei Nachbarn im Garten stand ein riesiger Birnbaum, dessen Äste fast bis an den Stacheldraht des Lagers reichten. Ich stieg also als es dunkel war auf diesen Baum und schob ein Rohr über den Zaun hinüber ins Lager. Durch dieses Rohr schickte ich nun meine Sachen und niemand bemerkte etwas. Das ging so bis 1944. Dann kam ich aus der Schule und nahm eine Stelle in Kaiserswerth an. Ich wollte unbedingt Diakonissin werden…(Sie bekommt aber starkes Heimweh und will wieder zurück.)

 

Erst mein Bruder, aus russischer Gefangenschaft ausgebrochen wieder zu Hause, sorgte dafür, dass ich wieder zurückkommen konnte. Ich erzählte ihm von der Sache mit dem Russenlager und Wassili. Er erklärte mir, dass das, was ich tat, keine Sünde sei und half mir sogar dabei. Er zeigte mir einige Kniffe, die ich gut gebrauchen konnte. Leider musste mein Bruder wieder an die Front und fiel bald darauf. Die russischen Gefangenen trauerten mit mir…

 

Sonja Biernat, geb. Duddek

 

 

Der zweite Teil der Erinnerungen ist in Auszügen veröffentlicht in:

 

Ulrich Brack/Klaus Mohr (Hg), Neubeginn und Wiederaufbau. Marl in der Nachkriegszeit 1945-1949, Essen 2012 (2.Aufl., Klartextverlag), S.26 ff.

 

aus: Das AV-Buch, S.112 und 113.

Die Bilder sind übrigens falsch zugeordnet: Das untere Bild zeigt das Lager an der Hagenstraße(u.a. CWH), die Gruppe der Zwangsarbeiter arbeitete am Bahnhof Sinsen, Sägewerk Fehlings, Jugoslawen und Franzosen, das Bild "Kampstraße" zeigt das AV-Lager Breddenkampstraße, Erzschacht ist richtig.