LandLeben in der frühen Neuzeit

Noch 1959 wird in Marl mit Pferd gepflügt. Das Bild ist aus dem "Lichtbogen" 1959, Heft 8,Titelbild.

Der Bauer hieß Peters, der Hengst hieß Hans, der Bauernhof war "Drees Hof" und gehörte (nach 1938) den CWH.


Unten: Trockenlegung im 19. Jahrhundert 

Heinrich Schäpers über die Trockenlegung der Marler Sumpf- und Seenlandschaften.

(aus: Bilder aus der Geschichte Marls, 1966, S.82)


Beispiele des Landlebens:

Ein flämischer Kalender von Simon Bening , ca. 1530

(Nachdruck 1936/1940 des codex latinus 23638 der Bayerischen Staatsbibliothek München, 

in privatem Besitz)

Im Laufe des Jahres wird das Leben der Bauern (Arbeit), des Adels (keine Arbeit) und der Händler skizziert.

Januar: Bauer beim Holzhacken, eine Kapelle im Hintergrund, auf dem Hügel eine Mühle...

Februar: Weinreben werden gepflegt, im Hintergrund ein Hafen...

März: Arbeit für die Herrschaft: Ein Nutzgarten wird "herr"-gerichtet, ein Baum gepflanzt und die Herrschaft unterwürfig gegrüßt...

April: Der fertige Garten mit herrschaftlichen Gästen (?) oder Familie. Schloss und Städtchen im Hintergrund...

Mai: Eine Maifeier auf dem Wasser mit Musik: Flötist und Laute (?), die eine Frau spielt.

Juni: Schafschur, der Schäfer wird entlohnt (oder ein Käufer der Wolle ist schon dabei?)

Juli: Die Wiese wird gemäht, die Männer mähen mit der (großen )Sense, die Frauen benutzen den Rechen und bündeln das Heu "haufenweise".

August: Getreideernte mit der kurzen Handsense und einem "Stock" zum Zusammenraffen und Bündeln

September: Es wird gepflügt und gesät...(Pferde hatte nicht jeder)

Oktober: In der Stadt wird ge- und verkauft, im Hintergrund das gekaufte Wein- oder Bierfass eingelagert. Im "Kranlaufrad" Männer, die den "Aufzug" bewegten, also in der „Tretmühle“ sind.

November: Jagdsaison für den Herren, in der Scheune wird das gemähte Getreide gedroschen. Schweine laufen frei herum...

Dezember : Zeit zum Feiern: links die Musikanten., im Vordergrund ein tanzendes Paar, im Hintergrund wird bei Kerzenlicht gespielt

Bis auf die Bilder Februar, Mai und Oktober trafen wohl alle übrigen Kalenderbilder auch auf das Kirchspiel (Kerspell) Marle zu: Weinanbau gab es nicht, eine Maifeier auf dem Wasser gab es höchstens auf der Lippe (möglicherweise aber auf den Gräben (gräften) der Wasserburgen, z.B. Loe, neu erbaut ab Ende des 16. Jahrhunderts): Städtische Gebäude sowie Märkte für Kauf und Verkauf gab es nur in Recklinghausen und Dorsten. Alles andere gab es so auch in dieser Gegend. 

Angebaut wurden vor allem Bohnen, Hafer (Haber), Flachs (Vlaes), Roggen, Gerste, Raps und Buchweizen.

Weizen war schwieriger anzubauen wegen den schlechten Bodenverhältnissen. Daneben wurden Gartenfrüchte wie Obst und Salat genutzt, Bucheckern und Eicheln für die Schweinemast (in den Wäldern der Marken, z.B. Hülsberg).

Ein erster Kartoffelanbau ist 1758 erwähnt als "Durchzugsschaden" im 7jährigen Krieg und zwar in Sickingmühle beim Landwirt Große-Bley, der neben anderen Schäden auch "Wurzeln und Erdäpfel" aufzählt.

(Genwiki.genelogy.net/Große_Bley)

Vergleiche das Gerät unten aus dem Heimatmuseum mit dem Bild August...

Foto von H.E. Maschinski im Marler Jahrbuch 1984, S.76.

Beschreibung (Maschinski):

"Sichte"- das ist die Einhandsense zum Mähen,

"Pick-up"- das ist der Pickstock zum Raffen.

(Vergleiche das Kalenderbild August).

 

Unten: Ein Bauer beim Heuwenden (noch in den 50er Jahren mit alter Technik: Heugabel und "Handdienst").


Erbschaften und Sterbefallabgaben, 3 Beispiele: 

(Aus dem Vest. Lagerbuch 1660, (Hg.: W. Burghardt), S.336 /37.)

(Erklärungen in den Klammern; zusätzliche Erklärungen:)

Der Sterbefall, für 50 Reichstaler berechnet, musste von dem Erben bezahlt werden an das Kloster. 

Fuder ist ein Maß, hier eine Wagenladung (für einen Zweispänner).

Mullen ist die Mühle, Laeken ist das (Bett-)Laken, ein Buettelen mit fedderen ist ein Beutel mit Federn (ein Kissen).

Oliekanne ist die Ölkanne (Raps oder auch Leinöl).

Im zweiten Beispiel sind zwei Ihmen erwähnt, das sind Immen, also Bienen, hier ein Bienenvolk oder -korb. Honig zum Süßen war durchaus gebräuchlich...

Malenburg war eine Kommende, seit 1692 ein Hof des (geistlichen) Deutschen  (Ritter-)Ordens und lag in der Nähe von Datteln, gekauft für 20 000 Reichstaler.

(Th.Esch: Das adelige Gut Malenburg. In: Zeitschrift der Vereine für Orts- und Heimatskunde im Veste und Kreise Recklinghausen, Jg. 1 (1891), S. 37–63).